Mittwoch, 11. August 2021

Anthologien japanischer Autoren

Erkundungen
19 japanische Erzähler

Enchi Fumiko
Ahorn im Winter
Aus dem Japanischen von Barbara Yoshida-Krafft

Uno Chiyo
Glück
Aus dem Japanischen von Naito Michio und Friedl Ito-Pokorny

Tomioka Taeko
Heirat
Aus dem Japanischen von Wolfgang E. Schlecht

Nakatani Takao
Ein unterhaltsamer Spaziergang
Aus dem Japanischen von Heinz Haase

Abe Akira
Freunde
Aus dem Englischen von Rainer Rönsch

Kanai Mieko
Platonische Liebe
Aus dem Englischen von Sigrid Pfeiffer

Kojima Nobuo
Sonnenlicht
Aus dem Japanischen von Andreas Simon

Oba Minako
Kiriko
Aus dem Japanischen von Jürgen Stalph

Kobayashi Kyoji
Zur Berghütte
Aus dem Japanischen von Andreas Simon

Inoue Yasushi
Im Schatten des Berges Bandai
Aus dem Englischen von Rainer Rönsch

Kono Taeko
Der eiserne Fisch
Aus dem Englischen von Sigrid Pfeiffer

Takahashi Takako
In Versuchung
Aus dem Japanischen von Edith Rau

Yoshiyuki Rie
Im Brunnen die Sterne
Aus dem Japanischen von Jürgen Stalph

Sono Ayoko
Ein Wiedersehen
Aus dem Japanischen von Heinz Haase

Shibaki Yoshiko
Vorübergehende Unruhe
Aus dem Englischen von Rainer Rönsch

Tsushima Yuko
Die schweigenden Händler
Aus dem Englischen von Sigrid Pfeiffer

Shimao Toshio
Unterwegs mit Maya
Aus dem Englischen von Christian Uhl

Endo Shusaku
Alte Freunde
Aus dem Englischen von Sigrid Pfeiffer

Kaiko Takeshi
Die zerriebene Kugel
Aus dem Englischen von Sigrid Pfeiffer


Erkundungen
12 Erzähler aus Japan


Yasuoka Shotaro
Lauf, Tomahawk!
Übersetzt von Maya Berndt

Hino Keizo

Eisenzeit
Übersetzt von Koshibe Noboru und Buki Kim

Miki Taku
Nachbarn
Übersetzt von Maya Berndt

Iwahashi Kunie
In der Luft
Übersetzt von Buki Kim

Yoshimura Akira
Sternbild des Skorpion
Übersetzt von Maya Berndt

Murakami Haruki

Glühwürmchen
Übersetzt von Maya Berndt

Furui Yoshikichi

Das Trauerfeld
Übersetzt von Koshibe Noboru und Buki Kim

Masuda Mizuko
Blumen
Übersetzt von Jaqueline Berndt

Irokawa Takehiro
Einhundert
Übersetzt von Detlef Foljanty

Abe Akira
Lebenstage
Übersetzt von Detlef Foljanty

Miura Tetsuo
Die Pistole
Übersetzt von Buki Kim

Kono Shuichiro
Das Baumpflanzfest
Übersetzt von Steffi Richter


Das große Japan-Lesebuch

Tanizaki Junichiro
Die Tätowierung
Übersetzt von Siegfried Schaarschmidt

Akutagawa Ryunosuke
Der Chrysanthemenball
Übersetzt von Oscar Benl

Shiga Naoya
Kuniko
Übersetzt von Oscar Benl

Sata Ineko
Aus der Bonbonfabrik
Übersetzt von Siegfried Schaarschmidt

Ibuse Masuji
Der Salamander
Übersetzt von Siegfried Schaarschmidt

Kawabata Yasunari
Von Vögeln und Tieren
Übersetzt von Siegfried Schaarschmidt

Dazai Osamu
Von Frauen
Übersetzt von Siegfried Schaarschmidt

Nagai Kafu
Geliebtes Gesicht
Übersetzt von Oscar Benl

Sakaguchi Ango
Unter der vollen Blüte im Kirschbaumwald
Übersetzt von Elisabeth Schmidt

Abe Kobo
Der rote Kokon
Übersetzt von Siegfried Schaarschmidt

Abe Kobo

Hochwasser
Übersetzt von Siegfried Schaarschmidt

Yasuoka Shotaro
Das Kaninchensyndrom
Übersetzt von Siegfried Schaarschmidt

Kita Morio
Geflügelte Ameisen am Hang
Übersetzt von Siegfried Schaarschmidt

Oe Kenzaburo
Der Fang
Übersetzt von Iwabuchi Tatsuji

Mishima Yukio
Die Brückenprobe
Übersetzt von Siegfried Schaarschmidt

Setouchi Harumi

Einmal hat Makiko gestohlen
Übersetzt von Siegfried Schaarschmidt

Kaiko Takeshi
Das Duell
Übersetzt von Siegfried Schaarschmidt

Nakagami Kenji
Der Bergasket
Übersetzt von Siegfried Schaarschmidt

Oda Makoto
Der Kommandeur
Übersetzt von Siegfried Schaarschmidt

Inoue Mitsuhara
Die Nacht davor
Übersetzt von Siegfried Schaarschmidt

Inoue Yasushi
Ein Brief aus der Wüste
Übersetzt von Siegfried Schaarschmidt


Japan erzählt
17 Erzählungen


Akutagawa Ryunosuke
Der Faden der Spinne
Übersetzt von Jürgen Berndt

Tanizaki Junichiro
Tätowierung
Übersetzt von Heinz Brasch

Shiga Naoya
Das Verbrechen des Han
Übersetzt von Oscar Benl

Inoue Yasushi
Ein Brief aus der Wüste
Übersetzt von Siegfried Schaarschmidt

Nakagami Kenji

Der Bergasket
Übersetzt von Siegfried Schaarschmidt

Yasuoka Shotaro

Regen
Übersetzt von Margarete Donath

Mishima Yukio
Rosinenbrot
Übersetzt von Itsuko Gelbrich

Yoshiyuki Junnosuke
Erdbeeren
Übersetzt von Ekkehard Gelbrich

Enchi Fumiko
Ahorn im Winter
Übersetzt von Barbara Yoshida-Krafft

Sata Ineko
Ihr eigenes Herz
Übersetzt von Hilaria Gössmann

Ariyoshi Sawako
Laternchen
Übersetzt von Margarete Donath

Oba Minako
Blauer Fuchs
Übersetzt von Margarete Donath

Kanai Mieko
Platonische Liebe
Übersetzt von Diana Donath

Tsushima Yuko
Heimlicher Handel
Übersetzt von Diana Donath

Kono Taeko
Der Eisenfisch
Übersetzt von Irmela Hijiya-Kirschnereit

Ibuse Masuji
Das Soldatenlied "Alter Kameraden"
Übersetzt von Jürgen Berndt

Oe Kenzaburo
Stolz der Toten
Übersetzt von Margarete Donath und Itsuko Gelbrich


Japanische Kriminalgeschichten

Ihara Saikaku
Sie wussten nicht, was in der Trommel war
Übersetzt von Sato Reiko und Ingrid Schuster

Unbekannter Autor
Die Daumenfessel

Unbekannter Autor

Die Straßensängerin und der Samurai

Tanizaki Junichiro
Ich
Übersetzt von Sato Reiko und Ingrid Schuster

Edogawa Rampo
Das rote Zimmer
Übersetzt von Sato Reiko und Ingrid Schuster

Matsumoto Seicho
Eine Zeugenaussage
Übersetzt von Sato Reiko und Ingrid Schuster

Togawa Masako
Blutsauger
Übersetzt von Ota Yuzo und Ingrid Schuster


Mond auf dem Wasser
Moderne japanische Liebesgeschichten


Yasuoka Shotaro
Die Glasschuhe
Aus dem Japanischen von Oscar Benl

Funabashi Seiichi
Distelwolle
Aus dem Englischen von Maria von Gemmingen

Takahama Kyoshi
Ikaruga-monogatari
Aus dem Japanischen von Oscar Benl

Akutagawa Ryunosuke
Kesa und Morito
Aus dem Japanischen von Jürgen Berndt

Tokuda Shusei
Der Orden
Aus dem Englischen von Monique Humbert

Nagai Kafu
Geliebtes Gesicht
Aus dem Japanischen von Oscar Benl

Hayashi Fumiko
Tokio
Aus dem Englischen von Monique Humbert

Kawabata Yasunari
Mond auf dem Wasser
Aus dem Japanischen von Annelotte Piper

Mori Ogai
Im Wiederaufbau
Aus dem Englischen von Monique Humbert

Futabatei Shimei
Mittelmaß
Aus dem Japanischen von Oscar Benl

Ibuse Masuji
Besuch einer Frau
Aus dem Japanischen von Oscar Benl

Kawaguchi Matsutaro
Eine Glocke in Fukagawa
Aus dem Japanischen von Iwabuchi Tatsuji und Koshibe Noburo

Tanizaki Junichiro
Das Opfer
Aus dem Englischen von Monique Humbert

Shiga Naoya
Manazuru
Aus dem Japanischen von Oscar Benl


Mondscheintropfen
Japanische Erzählungen 1940 - 1990

Takeda Rintaro
Geschichte vom Schnee
Übersetzt von Christine Gross, Christine Hunziker, Corinne Zimmermann und Eduard Klopfenstein

Shimaki Kensaku
Der schwarze Kater
Übersetzt von Eduard Klopfenstein

Fukazawa Shichiro
Nanking-Bübchen
Übersetzt von Eduard Klopfenstein

Kawabata Yasunari
Alte Heimat
Übersetzt von Barbara Yamanaka-Hiller

Abe Kobo
Der Stock
Übersetzt von Sigmara Sato-Diesner

Kurahashi Yumiko
Am Ende des Sommers
Übersetzt von Michael Weissert

Minakami Tsutomu
Winter-Kaki
Übersetzt von Eduard Klopfenstein

Abe Akira
Pfirsiche
Übersetzt von Heinrich Reinfried

Kanai Mieko
Der Akazienritterorden
Übersetzt von Verena Werner und Eduard Klopfenstein

Ishihara Shintaro
Starrende Augen
Übersetzt von Christoph Langemann und Eduard Klopfenstein

Miura Tetsuo
Der Kuss
Übersetzt von Peter Ackermann

Tatematsu Wahei
Ein Regenbogen in der Hand
Übersetzt von Urs Loosli

Tsumura Setsuko
Das Haus im Wind
Übersetzt von Lisette Gebhardt

Aono So
Eindringlinge in ein Haus mit Schwalbennest
Übersetzt von Bruno Rhyner

Kasahara Jun
Mondscheintropfen
Übersetzt von Eduard Klopfenstein

Murakami Haruki
Tony Takitani
Übersetzt von Eduard Klopfenstein

Träume aus zehn Nächten
Moderne japanische Erzählungen

Higuchi Ichiyo
Trübe Wasser
Übersetzt von Jürgen Berndt

Kunikida Doppo
Tod aus Verzweiflung
Übersetzt von Jürgen Berndt

Tayama Katai
Ein Soldat
Übersetzt von Edith Shimomura

Natsume Soseki
Träume aus zehn Nächten
Übersetzt von Jürgen Berndt

Shiga Naoya
Das Verbrechen des Han
Übersetzt von Oscar Benl

Arishima Takeo
Ein Nachkomme Kains
Übersetzt von Jürgen Berndt

Tanizaki Junichiro
Ein kleines Königreich
Übersetzt von Jürgen Berndt und Eiko Saito-Berndt

Akutagawa Ryunosuke
Im Dickicht
Übersetzt von Jürgen Berndt

Kaneko Yobun
Augen
Übersetzt von Jürgen Berndt

Hayama Yoshiki
Der Brief im Zementfass
Übersetzt von Jürgen Berndt

Kawabata Yasunari
Die Tänzerin von Izu
Übersetzt von Oscar Benl

Fujimori Seikichi
Der Mann, der nicht klatschte
Übersetzt von Jürgen Berndt

Yokomitsu Riichi
Mechanismen
Übersetzt von Jürgen Berndt

Noma Hiroshi
Ein roter Mond in ihrem Gesicht
Übersetzt von Jürgen Berndt

Umezaki Haruo
Sakurajima
Übersetzt von Oscar Benl

Dazai Osamu
Die Frau Villons
Übersetzt von Jürgen Berndt

Hara Tamiki
Sommerblumen
Übersetzt von Edith Shimomura

Hayashi Fumiko
Späte Chrysanthemen
Übersetzt von Jürgen Berndt

Nakano Shigeharu
Der tanzende Mann
Übersetzt von Jürgen Berndt

Ibuse Masuji
Ehrerbietung aus der Ferne
Übersetzt von Jürgen Berndt

Abe Kobo
Ein Dichterleben
Übersetzt von Jürgen Berndt und Eiitschi Yasui

Nishino Tatsukichi
Japaner amerikanischen Blutes
Übersetzt von Jürgen Berndt und Ursula-Eleonore Winkler

Hotta Yoshie
Teile eines Schattens
Übersetzt von Jürgen Berndt

Shono Junzo
Vignetten vom Schwimmbeckenrand
Übersetzt von Jürgen Berndt und Ursula-Eleonore Winkler

Oe Kenzaburo
Und plötzlich stumm
Übersetzt von Jürgen Berndt und Eiko Saito-Berndt

Nagai Tatsuo
Ein Stück
Übersetzt von Jürgen Berndt

Endo Shusaku
Die Männer und ein Vogel
Übersetzt von Jürgen Berndt und Eiko Saito-Berndt

Inoue Mitsuharu
Rote Bälle
Übersetzt von Jürgen Berndt


... weil gerade Frühling war
Heiter-Ironisches aus Japan


Nagai Kafu
Feinschmecker
Übersetzt von Barbara Yoshida-Krafft

Dazai Osamu
Versprochen und gehalten
Übersetzt von Josef Bohaczek

Akutagawa Ryunosuke
Frauenkörper
Übersetzt von Barbara Yoshida-Krafft

Ibuse Masuji
Hirano oder: Ein Unglück kommt selten allein
Übersetzt von Josef Bohaczek und Barbara Yoshida-Krafft

Uno Chiyo
Zu grell geschminkt
Übersetzt von Josef Bohaczek und Barbara Yoshida-Krafft

Ibuse Masuji
Erste Liebe
Übersetzt von Barbara Yoshida-Krafft

Kawabata Yasunari
Das Foto
Übersetzt von Barbara Yoshida-Krafft

Yoshida Hidekazu
Ein Wintermorgen
Übersetzt von Barbara Yoshida Krafft

Akutagawa Ryunosuke
Herr Tanizaki Junichiro
Übersetzt von Barbara Yoshida Krafft

Shiga Naoya
Die Wiedergeburt
Übersetzt von Josef Bohaczek

Nagai Kafu
Friedhofsbesuche
Übersetzt von Barbara Yoshida-Krafft

Susukida Kyukin
Frühlingslied
Übersetzt von Barbara Yoshida-Krafft


Dienstag, 27. Juli 2021

Meine Videospiele 2020

Die Liste vom vorletzten Jahr ist noch recht schmal. In Zukunft werde ich bei den Spielen mit kleinen Reviews ins Detail gehen, wobei Zelda wahrscheinlich einen eigenen Eintrag erhält.


2020
Beendete Spiele insgesamt: 5

Zelda : Breath of the Wild (Wii U)
Zelda : Skyward Sword (Wii)
Zelda : Twilight Princess (Wii)
The Legend of Zelda (NES Virtual Console auf NDS)
Zelda II : The Adventure of Link (NES Virtual Console auf NDS)


Eigentlich sollte das hier nur eine Liste werden, aber der erste Eintrag verdient einen persönlichen Rückblick.

Ich verstehe Menschen, die eine Abneigung gegen Videospiele haben, weil sie der Meinung sind, dass sie süchtig machen, Zeitverschwendung sind, dass sie echte soziale Kontakte verkümmern lassen oder dass man durch Pay-to-win und ähnliches sein Geld verpulvert. Ich habe das selbst erlebt, als während meiner Schulzeit mein Schwager gefühlte 24 Stunden vor dem Computer hockte, um online Diablo II zu spielen, oder meine Mutter sich ihren Wecker auf mitten in der Nacht stellte, um ihre Felder abzuernten. Gerade Onlinespiele, die an reale Zeiten, Events und an Kommunikation mit anderen gebunden sind, halte ich für gefährlich. Zwar verteufle ich sie nicht, das ist letztlich auch einfach nicht mein "Metier", aber Vorsicht halte ich für angeraten. Tatsächlich empfinde ich diese ganze Community, die sich immer auf das gerade angesagte Game stürzt, sei es Diablo, Overwatch, Apex Legends oder was auch immer, eher als Erweiterung eines Onlineforums mit Avatar, inklusive Zurschaustellung der seltensten Rüstungen und Waffen. Mag vorurteilsbeladen sein, aber von außen betrachtet erscheint mir das so.

In meiner Kindheit bin ich mit dem Gameboy aufgewachsen, auf dem es nur Mario und Tetris gab, mit Sonic auf unserem Sega Mastersystem und mit dem SNES meines Cousins. Doch ein Spieler war ich nicht. Bis ich Zelda: Link's Awakening auf dem Gameboy kennen lernte und das den Maßstab dafür setzte, was ich an Videospielen gut finde. Später kam Pokémon Blau hinzu, das ich mir zu Weihnachten wünschte. Aber noch wichtiger war der nächste Schritt: Ich spielte bei einem Schulfreund meiner Schwester auf dem PC das damals noch nicht verfügbare Pokémon Gold auf Japanisch. Weil es ohne Sprachkenntnisse keinen Spaß machte, ging ich zu seiner PlayStation über und kam in Kontakt mit Resident Evil. Von den ersten drei Teilen fand ich den dritten am besten. Danach stieß ich auf Silent Hill und Metal Gear Solid und mein Schicksal war besiegelt. ^^;

Diese zwei Reihen definieren noch heute, was ich von Videospielen erwarte oder was mit ihnen möglich ist. Einerseits erschloss sich mir der Bereich von Horrorspielen, die damals ihre Hochzeit erlebten. Schwermütige, traurige, düstere und furchteinflößende Handlungen, die einen starken psychologischen Aspekt beinhalten, erreichen einen in Videospielen, in denen man interagieren muss und somit ein Teil der Geschichte wird, viel eher als in Filmen oder Büchern. Meine Highlights sind bis heute Silent Hill 2 und Project Zero 3. Auf der anderen Seite war Metal Gear Solid im Genre Stealth ein Vorreiter für das Durchbrechen der vierten Wand. Und das können definitiv nur Videospiele. Es ist dagegen ein Unterschied, ob sich ein Schauspieler in einem Film zur Kamera ans imaginäre Publikum wendet und einen coolen Spruch ablässt, wie etwa Deadpool. Der Schauspieler sieht und kennt den Zuschauer nicht wirklich. Auf ähnliche Weise kann auch ein Buch nur sehr bedingt den Leser einbeziehen, wie etwa in Jostein Gaarders "Sofies Welt". Jeder liest die gleichen Zeilen.
Es hinterlässt einen ganz anderen Eindruck, wenn eine Figur aus einem Videospiel mir sagt, dass ich gern Konami-Spiele zocke oder dass ich ein vorsichtiger und hinterhältiger Typ bin; und dass ich das verhindern und den Gegner bezwingen kann, wenn ich die Memory Card entferne und die Steckplätze der Controller (damals noch mit Kabel) austausche. Oder wenn ich in einer Folterszene, in der ich fast draufgehe, wenn ich eine andere Person nicht verrate, gesagt bekomme, ich hätte schon sehr lange nicht mehr gespeichert und ob ich das wirklich alles nochmal spielen will, wenn ich jetzt sterbe. MGS beinhaltet sehr viele solcher Tricks und Durchbrechungen der vierten Wand. Auch andere Games lesen den Spieler. In Silent Hill 2 hängt das Ende davon ab, ob man zum Beispiel lange Passagen verletzt gespielt hat oder stattdessen immer auf eine gute Gesundheit achtete; danach wird beurteilt, ob man ein eher suizidaler Mensch ist oder doch jemand mit Lebenswillen und Zukunft. Ich glaube, dass kein Medium den Adressaten so lesen und einbeziehen kann wie ein Videospiel.

Das sind also die Aspekte, die mich in Spielen am meisten interessieren und mitreißen. Danach folgen noch Punkte wie Eskapismus in Welten, die zum Abschalten und Träumen einladen, Spielspaß vor allem durch Rätsel wie in Zelda, durch gemeinsames Zocken mit meiner Freundin wie in Unravel 2, spannende und neuartige Konzepte, Steuerungen und Handhabungen (also nicht das, was Assassin's Creed macht, obwohl da sowas wie "innovatives Gameplay" draufsteht).

Im Laufe der Zeit habe ich vor allem Horror, ein bisschen Stealth, Hack'n Slay und Action Adventure gespielt. Die Silent-Hill-Reihe auf jeden Fall, bis auf den letzten Teil für die PS Vita. Mit Resident Evil habe ich nach dem dritten Teil aufgehört, weil mir der vierte nicht mehr zusagte, der übrigens das Genre komplett neu definierte und in eine Richtung lenkte, die mir nicht mehr gut gefiel. Das war der Niedergang des klassischen Survival Horrors. Ich spielte bis zu einem gewissen Punkt alle Teile von Metal Gear Solid, Project Zero, Prince of Persia, Devil May Cry, Assassin's Creed, Bioshock, Dead Space und noch diverse einzelne Spiele, die mir in Erinnerung blieben, nicht nur auf der PlayStation, sondern auch auf dem Nintendo DS oder der Wii: Kuon, Shadow of Memories, Shadow of the Colossus, Kingdom Hearts, Catherine, Fragile Dreams, Ace Attorney, Hotel Dusk, Last Window usw. Über die Jahre hat sich da einiges angesammelt. Vielleicht schreibe ich irgendwann noch ein Best of meiner Lieblingsspiele.

Es waren wahrscheinlich immer so zwei bis fünf Games im Jahr, glaube ich. Genau kann ich das nicht sagen, aber ich weiß, dass es Jahre gab, in denen ich überhaupt gar nichts spielte. Das änderte sich 2020. Erstens waren wir wegen Lockdown und Kurzarbeit die meiste Zeit zu Hause. Das störte uns nicht, wir haben genug Mangas, Bücher, Anime und Hobbys, um Jahrzehnte damit zu füllen. Aber diverse Widrigkeiten in meiner Familie lösten bei mir mutmaßlich psychosomatisch ein nerviges Augenzucken aus. Es heißt, sowas kann durch Stress schon mal entstehen, das sei nicht schlimm und ginge wieder weg. Nach ein paar Tagen. Oder Wochen. Oder Monaten? Man soll sich erst nach ein, zwei Wochen Sorgen machen, aber nach zwei Monaten hatte ich es noch immer mehrfach täglich und es wurde einfach nicht besser. Zwar redet man sich ein, sich zu entspannen, aber das ist gar nicht so einfach. Denk nicht an einen Eisbären, diese Geschichte.
Dann bekam ich zum Geburtstag von meiner Freundin Zelda: Breath of the Wild geschenkt. Nachdem ich schon eine Handvoll Spiele von Zelda kannte, vor allem die für den Gameboy, also das oben bereits erwähnte Link's Awakening, Oracle of Ages und Oracle of Seasons, Twilight Princess auf der Wii oder A Link Between Worlds auf dem Nintendo DS, dachte ich mir, das sei doch eine schöne Gelegenheit, mal wieder in diese Fantasywelt einzutauchen. Was ich nicht wusste, war, dass Breath of the Wild die gesamte Zelda-Reihe neu definiert hat, dass es ein Open World mit mindestens 100 Stunden Spielzeit ist und in vielerlei Hinsicht überhaupt nicht mehr wie die anderen klassischen 3D-Teile. Es gibt zwar ein paar Aspekte, die ich daran blöd finde (die Waffenzerbrechlichkeit zum Beispiel), aber insgesamt ist diese Welt so liebevoll und riesig gestaltet, dass es geradezu prädestiniert ist für Realitätsflucht. Das sah meine Freundin erstaunlicherweise genauso. Nach einem Monat hatte ich mein Augenzucken völlig vergessen und es fiel mir erst im Nachhinein auf, dass es weg war.

Das war der Auftakt für einen ziemlichen Zelda-Marathon. Nach den fünf Spielen von 2020 ging es im nächsten Jahr gleich weiter, aber das folgt dann im Eintrag zu 2021. Mittlerweile habe ich fast alles durch, was man von Zelda spielen kann, bis auf Four Swords und Triforce Heroes, glaube ich. Dieser Marathon sorgte noch für eine weitere einschneidende Änderung: Weil ich diverse Teile der Reihe, mangels zum Beispiel eines NES, nicht ohne Virtual Console hätte spielen können, habe ich mich zum ersten Mal mit Onlinekäufen in Stores auseinandergesetzt. Ich bin ein Konsolenspieler und hatte eine Abneigung gegen Computer und im gleichen Zusammenhang mit allem, was online abläuft, also auch mit virtuellen Käufen. Außerdem möchte ich Dinge lieber auf Disc besitzen und nicht als Daten. Diese Einstellung habe ich mittlerweile geändert, nicht nur deshalb, weil man manch alte Spiele nicht anders bekommt, da sie entweder aufgrund einer nicht vorhandenen Konsole nicht anders spielbar sind oder auf Disc zu horrenden Preisen im Netz gehandelt werden, sondern auch deshalb, weil viele Indie-Games es gar nicht auf Disc schaffen und ihre Sachen nur in den Stores anbieten können. Nachdem meine Hemmungen bzgl. der Onlinekäufe durch Zelda überwunden waren, entdeckten wir nicht nur den Nintendo Store, sondern auch den PlayStation Store für uns, in dem man viele günstige und unbekannte kleine Spiele finden kann. Das sorgte dafür, dass aus meinen 3 bis 4 Spielen im Jahr plötzlich 30 bis 40 wurden.

Das ist der Grund, warum ich eine jährliche Liste hierfür in Zukunft sinnvoll finde.

Freitag, 19. März 2021

Früchte des Zorns

Der Frühling ist schön in Kalifornien. Täler, in denen die Obstblüten duftende rosa und weiße Wasser sind in einem seichten Meer. Dann fluten die ersten Ranken der Trauben, die an den knorrigen Weinstöcken schwellen, über die Stämme herab. Die vollen grünen Hügel sind wie Brüste, rund und weich. Und in der Ebene, im Gemüseland, gibt es meilenlange Reihen von blass grünem Salat, von kleinen Blumenkohlköpfen und von graugrünen unterirdischen Artischocken.
Und dann brechen die Blätter aus den Bäumen, und die Blüten fallen herab und bedecken die Erde mit einem Teppich aus Rosa und Weiß. Die Fruchtknollen schwellen an und wachsen und färben sich: Kirschen und Äpfel, Birnen und Pfirsiche. Feigen, deren Frucht die Blüte in sich schließt. Ganz Kalifornien gebiert, die Frucht wird schwer, die Äste biegen sich allmählich unter der Frucht, so dass sie mit Stöcken gestützt werden müssen.
Hinter dieser Fruchtbarkeit stehen Männer mit Verständnis, Wissen und Können, Männer, die mit Samen experimentieren und endlos neue Möglichkeiten für bessere Ernten entdecken an Pflanzen, deren Wurzeln den Millionen Feinden der Erde Widerstand leisten: den Maulwürfen, den Insekten, den Pilzen und dem Brand. Diese Männer arbeiten sorgfältig und unaufhaltsam, um den Samen, die Wurzeln zu verbessern. Und da sind die Chemiker, die die Bäume zum Schutz gegen die Seuchen bespritzen, die die Trauben einschwefeln, die Seuchen und Krankheiten, Fäulnis und Mehltau ausrotten. Doktoren der Präventivmedizin, Männer an den Grenzen, die nach Schädlingen suchen, nach der japanischen Fliege, Männer, die kranke Bäume in Quarantäne bringen und sie verbrennen, Männer von Wissen. Die Männer, die die jungen Bäume aufpfropfen, die kleinen Weinstöcke, sind die geschicktesten von allen, denn ihre Arbeit ist zart und fein wie die eines Chirurgen, und diese Männer müssen die Hände von Chirurgen haben und die Herzen von Chirurgen, um die Rinde aufzuritzen, den Pfropf einzusetzen, die Wunden zu verbinden und sie vor der Luft zu bewahren. Es sind große Männer.
Durch die Reihen gehen die Bauern, reißen das Frühlingsgras aus und graben es unter, damit die Erde fruchtbar wird, brechen den Boden, damit er das Wasser nahe an der Oberfläche hält, ziehen kleine Gräben zur Bewässerung, jäten das Unkraut aus, das sonst den Bäumen das Wasser wegtrinkt.
Und die ganze Zeit schwellen die Früchte, und die Blüten hängen in langen Dolden an den Weinstöcken herab. Und mit dem fortschreitenden Jahr kommt die Wärme, und die Blätter werden dunkelgrün. Die Pflaumen werden länglich wie kleine grüne Vogeleier, und die Äste senken sich unter der Last herab auf die Stöcke, die sie stützen. Und die harten kleinen Birnen nehmen Form an, und auf den Pfirsichen erscheint schon der Flaum. Die Rebenblüten werfen ihre winzigen Blätter ab, und die harten kleinen Perlen werden grüne Knöpfe, und die Knöpfe wachsen und werden schwer. Die Männer, die in den Feldern arbeiten, die Besitzer der kleinen Obstgärten, sehen zu und rechnen. Das Jahr ist reich und fruchtbar. Und die Männer sind stolz, denn mit ihrem Wissen können sie das Jahr reich und fruchtbar machen. Sie haben die Welt verändert mit ihrem Wissen. Der kurze, magere Weizen ist groß und produktiv geworden. Aus kleinen sauren Äpfeln haben sie pausbäckige, süße gemacht, und die alte Rebe, die zwischen den Bäumen wuchs und mit ihren winzigen Früchten die Vögel ernährte, hat tausend Abarten hervorgebracht, rote und schwarze, grüne und blassrosa, purpurrote und gelbe, und jede Abart hat ihren eigenen Geschmack. Die Männer, die auf den Versuchsfarmen arbeiten, haben neue Früchte geschaffen: Nektar-Pfirsiche und vierzig Arten von Pflaumen und Walnüsse mit papierdünnen Schalen. Und sie arbeiten, lesen aus, pfropfen, verändern, treiben sich selbst, treiben die Erde zur Produktion an.
Und die ersten Kirschen reifen. Anderthalb Cents das Pfund. Verdammt, dafür können wir sie ja nicht mal pflücken. Schwarze Kirschen und rote Kirschen, voll und süß, und die Vögel fressen die Hälfte einer jeden Kirsche, und die Wespen kriechen in die Löcher, die die Vögel gemacht haben. Und die Kerne fallen auf die Erde und trocknen mit den schwarzen Fetzen, die noch an ihnen hängen. Die roten Pflaumen werden weich und süß. Mein Gott, wir können sie nicht pflücken und trocknen und einschwefeln. Wir können keine Löhne zahlen, ganz gleich, was für Löhne. Und die roten Pflaumen fallen zur Erde und bedecken gleich einem Teppich den Boden. Erst schrumpft die Haut ein wenig, und Schwärme von Fliegen kommen und fressen sich an den Pflaumen satt, und das Tal ist erfüllt von dem Geruch süßer Fäulnis. Das Fleisch wird dunkel, und die Früchte schrumpfen auf der Erde ein.
Und die Birnen werden gelb und weich. Fünf Dollars die Tonne. Fünf Dollars für vierzig Fünfzig-Pfund-Kisten. Die Bäume beschnitten und bespritzt, die Obstgärten kultiviert - die Früchte gepflückt, in Kisten gepackt, auf Wagen geladen, zur Konservenfabrik gefahren - vierzig Kisten für fünf Dollars. Wir können's nicht. Und die gelben Früchte fallen schwer zu Boden und zerplatzen. Die Wespen graben sich in das weiche Fleisch, und es riecht nach Gärung und Fäulnis.
Dann die Trauben - wir können keinen guten Wein machen. Die Leute können keinen guten Wein kaufen. Rupft die Trauben von den Stöcken, gute Trauben, schlechte Trauben, angefressene Trauben. Presst die Stiele, presst den Dreck und das Faule.
Aber es ist Mehl und Ameisensäure in den Trögen.
Tut Schwefel hinein und Gerbsäure.
Der Geruch der Gärung ist nicht der reiche Duft des Weins, sondern der Geruch von Fäulnis und Chemikalien. Ganz egal. Jedenfalls ist Alkohol drin. Die Leute werden davon betrunken.
Die kleinen Farmer sehen, wie die Schulden auf sie zuschleichen, gleich einer Flut. Sie haben die Bäume gespritzt und die Ernte nicht verkauft, sie haben beschnitten und aufgepfropft und haben die Ernte nicht pflücken können. Und die Männer von Wissen haben gearbeitet, haben gerechnet und gespart, und die Früchte verrotten am Boden, und der faule Brei in den Weintrögen vergiftet die Luft. Und der Geschmack des Weines ist nicht der Duft der Trauben, sondern Schwefel, Gerbsäure und Alkohol.
Dieser kleine Obstgarten wird im nächsten Jahr einer großen Gesellschaft gehören, denn die Schulden haben den Besitzer erstickt.
Dieser Weingarten wird der Bank gehören. Nur die großen Besitzer bleiben am Leben, denn sie haben zugleich auch Konservenfabriken. Und vier geschälte und halbierte Birnen, gekocht und konserviert, kosten noch immer fünfzehn Cents. Und Konservenbirnen verderben nicht, sie halten jahrelang.
Die Fäulnis breitet sich aus über den ganzen Staat, und der süße Geruch ist eine große Sorge auf dem Land. Die Männer, die Bäume aufpfropfen und Samen groß und fruchtbar machen können, finden keine Möglichkeit, dass die hungernden Menschen das essen können, was sie gebaut haben. Menschen, die der Welt neue Früchte geschaffen haben, finden kein System, dass die Früchte gegessen werden können. Und der Misserfolg hängt wie eine große Sorge über dem Staat.
Die Arbeit der Wurzeln der Weinstöcke, der Bäume muss zerstört werden, damit die Preise hoch bleiben. Und das ist das Traurigste, Bitterste von allem. Wagenladungen von Orangen, die weggeworfen werden. Die Leute kamen meilenweit, um sich die Früchte zu holen, aber das darf natürlich nicht sein. Wir würden sie denn Orangen für zwanzig Cents das Dutzend kaufen, wenn sie bloß herauszufahren und sie aufzulesen brauchen? Und Männer mit Schläuchen spritzen Petroleum auf die Orangen und sind wütend über das Verbrechen, wütend über die Leute, die gekommen sind, um sich die Orangen zu holen. Eine Million Hungernde, die Obst brauchen - und über die goldenen Berge wird Petroleum gespritzt. Und der Geruch der Fäulnis erfüllt das Land. Sie verbrennen Kaffee als Feuerung in den Schiffen. Sie verbrennen Korn zur Heizung, denn es gibt ein gutes Feuer. Sie werfen Kartoffeln in die Flüsse und stellen an den Ufern Wachen auf, damit die hungrigen Leute sie nicht herausfischen können. Sie schlachten die Schweine und graben sie ein und lassen sie verfaulen und den Saft in die Erde sickern.
Es gibt Verbrechen hier, die nicht zu schildern sind. Es gibt hier Leid, das Tränen selbst nicht sprechen lassen können. Es gibt hier Misserfolg, der all unsere Bemühungen zunichte macht. Die fruchtbare Erde, die geraden Baumreihen, die starken Stämme und die reife Frucht. Und Kinder müssen sterben, weil die Orange ihren Profit nicht verlieren darf. Und die Leichenbeschauer müssen in den Totenschein schreiben: "Starb an Unterernährung", weil Nahrungsmittel verfaulen müssen.
Die Leute kommen mit Netzen, um die Kartoffeln aus dem Fluss zu fischen, aber die Wächter verbieten es ihnen. Sie kommen in ratternden Wagen, um sich Orangen zu holen, aber die Orangen sind mit Petroleum bespritzt. Und sie stehen still und sehen zu, wie die Kartoffeln vorbeischwimmen, hören die Schweine schreien, die in einem Graben geschlachtet und mit Ätzkalk bedeckt werden, sehen die Orangenberge zu einem Fäulnisbrei zusammensinken, und in den Augen der Hungernden steht ein wachsender Zorn. In den Herzen der Menschen wachsen die Früchte des Zorns und werden schwer, schwer und reif zur Ernte.

Früchte des Zorns von John Steinbeck

Montag, 28. Dezember 2020

Best of 2020

Medialer Jahresrückblick

Videospiel


Nachdem ich lange Zeit nicht mehr wirklich etwas gezockt hatte und davor auch nur Games, die ich bereits kannte (einige Teile von Silent Hill und Metal Gear Solid), bekam ich dieses Jahr zum Geburtstag von meiner Freundin:

Zelda: Breath of the Wild

Von der Zelda-Reihe kenne ich bei weitem nicht alles. Mein Einstand jedoch war "Link's Awakening" auf dem Gameboy, welches damals komplett meine Sicht auf Videospiele und deren Anforderungen veränderte. Ich mochte auch die "Oracle"-Teile, "Ocarina of Time" oder "Twilight Princess", aber irgendwie musste sich immer alles an "Link's Awakening" messen lassen. Bis jetzt.
Ich will nicht behaupten, dass "Breath of the Wild" eine bessere Handlung oder Atmosphäre hätte (obwohl ich das Augenmerk auf die Probleme von Prinzessin Zelda im Gegensatz zu ihrer sonstigen Unnahbarkeit sehr mochte). Außerdem hasse ich Open Worlds, weil ich mich darin ständig verzettle. Für mich als Explorer-Spielertyp, der eher im Bereich Horror und Stealth unterwegs ist und in jede Ecke klickt, ist das natürlich ein Schreckensszenario. Dennoch habe ich mich sofort in BotW verliebt. Die Handhabung ist superleicht, endlich kann man selbstständig rennen, springen und klettern. Es macht Spaß und man kann dadurch auf Anhieb in die sehr detailliert gestaltete Welt um Hyrule eintauchen. Was ich schließlich auch zwei ganze Monate lang mit um die 700 Spielstunden getan habe. Manchmal habe ich einfach nur Link an einer heißen Quelle in Eis und Schnee vor einem Feuer hocken lassen oder in einem Pferdestall bei Nacht auf das Ende eines Gewitters gewartet oder auf einem Berg am Morgen die aufgehende Sonne betrachtet. Um die Realität zu vergessen, ist das Spiel ideal, darum werde ich dieses Jahr in Zukunft wohl unweigerlich mit "Breath of the Wild" verbinden.


Anime


Mir kommt es so vor, als hätte ich in diesem Jahr eher schlechte als gute Anime gesehen. Seit Ewigkeiten quäle ich mich durch "Code Geass" durch, obwohl die Serie so gute Bewertungen von allen Seiten bekam und genau in mein Beuteschema fallen müsste (Gedankenkontrolle, Thriller, Mechas und der Vergleich mit Death Note). Ich wollte sie wirklich, wirklich mögen, aber jetzt treibe ich mich nur noch dazu an, die letzten zehn Folgen der zweiten Staffel vor Jahresende durchzupeitschen.

Was ich dieses Jahr aber wirklich durchgesuchtet habe, wenngleich das nicht für Qualität steht, das war:

Dragon Ball Super

Sicherlich spielt bei Dragon Ball ein Stück weit Nostalgie mit rein, immerhin bin ich damit in meiner Schulzeit aufgewachsen und habe Dragon Ball Z nach dem Erwerb der deutschen Serie schon zweimal komplett angeschaut. Wenn ich Sterne verteilen müsste, würde ich dem nur 2 oder maximal 3 von 5 Sternen geben, weil an Dragon Ball nichts wirklich gut ist mit seinen immer gleichen Handlungsabläufen und dem Übertreffen der Superlative von Superlativen über 9000. Dragon Ball Super ist da nicht viel anders. Tatsächlich mochte ich die Fortsetzung am Anfang absolut nicht. Nach dem zweifachen und dreifachen Super Saiyajin folgt jetzt noch ein Super Saiyajin Gott? Hinzu kam, dass ich es auf Japanisch schaute und mich mit einem der seltenen Fälle konfrontiert sah, die Originalsynchro im Gegensatz zur deutschen richtig grottig zu finden. Das liegt nicht nur an der tollen Stimme von Tommy Morgenstern. Was an der Synchro von Masako Nozawa so legendär sein soll, habe ich eh nie begriffen. Es ist für mich einfach eine ganz schlechte Wahl, die von einer Frau gesprochene Kinderstimme von Son Goku auch für den erwachsenen Mann zu verwenden und diese noch dazu bei seinen Söhnen zu recyceln. Nozawas verstellte Stimme klingt wie von einer Oma und hätte eher zu Uranai Baba gepasst. Das war ziemlich nervig. Auch Meister Kaio war grässlich gesprochen und Vegeta ging so. Jedenfalls habe ich mich an all das mit der Zeit gewöhnt und war schließlich wieder völlig von den Charakteren und dem bescheuerten Humor vereinnahmt. Dragon Ball ist für mich einfach Kult.

Sollte ich dagegen einen Anime von diesem Jahr nennen, den ich unter Vorbehalt empfehlen kann, wäre es:

Pet


Das ist wirklich ein aktueller Anime, er ist dieses Jahr erschienen, allerdings zu einer fünfbändigen Mangaserie von 2002. Es ist ein surrealer Thriller, der mit Traum und Realität spielt und eine ähnliche Idee aufgreift wie Inception. Wir kamen darauf, wie so oft, durch die japanischen Synchronsprecher, denn die Hauptrolle wurde von Taniyama Kishou übernommen. Es wäre schön, wenn der Anime hier bei uns in deutscher Synchro erscheinen würde, vielleicht sogar gefolgt vom Manga, obwohl ich das für wenig wahrscheinlich halte.


Manga


Gar nicht so einfach, hier etwas zu finden, denn ich lese ziemlich viele Mangas über das Jahr verteilt und nicht wenige davon sind fortgesetzte Serien, wie zum Beispiel "The Promised Neverland" oder "Barakamon". Also beginnen wir mit dem, was wirklich 2020 erstmals veröffentlicht wurde:

Savage Season

Eines meiner Highlights, das Anfang dieses Jahres bei Tokyopop erschien. Ein Manga über Pubertät und japanische Literatur. Komische Mischung? Das trifft es aber ziemlich genau. Ich habe ein Faible für japanische Klassiker - Dazai, Inoue, Kawabata, Soseki - doch hierzulande sind diese Autoren leider eher unbekannt. (Na ja, Dazai vielleicht ausgenommen.) Die Hauptfiguren von "Savage Season" sind ein paar Schulmädchen, die in ihrem Literaturclub diese Autoren für sich entdecken. Und mit ihnen auch die anzüglichen Themen wie etwa ... "Ess-ee-kreuz". Anders gesagt: Sex. Und da wären wir bei der Pubertät angelangt.
Solange man keinen Smut-Manga wie "Unwiderstehlicher S" zur Hand nimmt, handeln die meisten Shojos eher von seichten Gefühlen und thematisieren sexuelle Annäherungen meist von Seiten des männlichen Parts, als würden die Mädchen so etwas kaum empfinden und sich lieber keusch zur Wehr setzen, bevor sie nachgeben. Das hat sicher auch etwas mit dem japanischen Idealbild der Mädchen/Frauen zu tun. Mir gefallen aber eher Mangas wie "Scum's Wish", "Love & Lies" oder eben "Savage Season", in denen auch Mädchen sich über die Liebe in all ihren Facetten Gedanken machen und sich dadurch ab und zu ziemlich bescheuert pubertär verhalten.

Ein weiteres Highlight:

Koimonogatari - Love Stories

Das ist ein ... Boys Love? Ich bin mir da nicht mal sicher. Es geht um homosexuelle Liebe, aber die Aufarbeitung der gesamten Problematik erinnert eher an Slice-of-Life-Mangas wie "Der Mann meines Bruders", "Wer bist du zur blauen Stunde?" oder "Blue Flag". Die Geschichte wird zu Beginn aus der Sicht eines Jungen erzählt, der bemerkt, dass sein Mitschüler offenbar schwul ist und auf seinen besten Freund steht. Es geht um Vorurteile, Bewältigungsstrategien und um Freundschaft. Wie auch immer sich das noch entwickelt, aber genauso wenig wie "Savage Season" ein 08/15-Shojo ist, scheint "Koimonogatari" nicht in die Sparte der üblichen BLs zu fallen, auch wenn er von außen erst mal so wirkt.

Bezeichnend für dieses Jahr ist zumindest für mich noch:

Assassination Classroom

Mit den ersten Bänden habe ich zwar schon letztes Jahr angefangen, aber die restlichen erst Anfang 2020 in einem Rutsch weggelesen und danach die Animeserie, obwohl ich die nicht so gut wie den Manga finde. Jedenfalls hat mich "Assassination Classroom" positiv überrascht. Ich holte die Serie, weil ich ein bisschen an Battle Royale denken musste und neugierig war, außerdem ist sie für einen Shonen nicht so lang. Was mich dann erwartete, war ein ... Lern-Ganbatte? Ich hätte nicht gedacht, dass man das Thema Lernen auf so interessante Weise gestalten kann. In der Hinsicht hat es mich manchmal an "Bakuman" erinnert. Es ist aber auch Slice of Life, Humor und Thriller, also insgesamt eine wirre Mischung, die für mich völlig funktionierte. Mir gefiel auch die Lebensphilosophie, die Matsui-sensei häufig vermitteln wollte. Zum Beispiel, dass es in der Welt nicht um ausgleichende Gerechtigkeit geht, denn das Leben ist nicht fair. Dass man seinen Stolz nicht verliert, auch wenn man sich in die Gesellschaft fügen und sich manchmal vor der Obrigkeit beugen muss. Oder dass es für jemanden mit überragendem Talent wichtig ist, an seiner eigenen Arroganz zu scheitern und früh Rückschläge einzustecken, um an ihnen zu wachsen. Das hat mich an meine Schulzeit erinnert. Ich hätte mir damals einen Lehrer wie Korosensei gewünscht.

Ansonsten gab es noch:

Tokyo Girls - Was wäre wenn...?

Ein erschreckend realistischer Manga über das Liebesleben, die Sorgen und Ängste von Frauen bzw. Menschen über 30. Selbst im Genre Josei dürfte das etwas sein, das lediglich eine Nische bedient und nicht von vielen in Deutschland gelesen werden wird. "Tokyo Girls" ist, bis auf das Ende, oft unangenehm düster und realitätsnah, obwohl es eigentlich viel Humor beinhaltet. Sehr interessant fand ich daran außerdem das umfassende Nachwort, in dem Briefe japanischer Frauen veröffentlicht wurden, die um Hilfe bei der Mangaka ersuchten, zudem hat die deutsche Übersetzerin noch einige Erklärungen zur japanischen Mentalität auf mehreren Seiten in jedem Band hinzugefügt.


Bücher


Zum jetzigen Zeitpunkt bin ich bei 44 Büchern für dieses Jahr, darum ist es nicht so einfach, etwas auszuwählen. Ich beschränke mich auf ein paar.

"Der große Gatsby" von F. Scott Fitzgerald

Einer der Klassiker auf meiner To-read-Liste, der mich nicht enttäuschte. Mittlerweile auf meiner Beliebtheitsliste an Literatur sehr weit oben.

"Der Fremde" von Albert Camus

Dieses Buch habe ich jetzt zum dritten Mal gelesen bzw. diesmal über Spotify angehört. Ich wusste, dass ich es mochte, aber ich habe die Handlung jedes Mal wieder vergessen. Doch 2020 scheint mir "Der Fremde" endlich nicht mehr nach kurzer Zeit fremd zu sein.

"Von Mäusen und Menschen" von John Steinbeck

Ein kleines überraschendes Highlight, das ich auf Arbeit hörte. Es ist ein Klassiker und viele wissen schon vor dem Lesen, worum es geht, doch glücklicherweise war ich völlig unvoreingenommen und kannte nichts von der Handlung, daher hat es mich gegen Ende sehr berührt, was sicherlich auch an der Lesestimme lag.

"Krieg und Frieden" von Leo Tolstoi

Stand auch auf meiner Klassiker-to-read-Liste. Dieses Buch ist furchtbar. Absolut zäh, aber teilweise auch so absurd komisch, dass ich es hier aufzählen muss. Mann, war das langweilig. Da ich derzeit allerdings mit "Anna Karenina" weitergemacht habe, bin ich fast schon wieder begeistert davon, wie viel besser "Krieg und Frieden" ist. Beides kann einen wegen seiner Langweiligkeit in eine hysterische Verfassung versetzen.

Gedichte von Nakahara Chuuya

 

Viel gibt es von ihm leider nicht und lediglich auf Englisch, aber ich liebe seine Gedichte. Ich wünschte, ich könnte so gut Japanisch, um die Melodie seiner Worte zu genießen.


Filme


Ningen Shikakku / The Fallen Angel

Ein Film über Dazai Osamu, der sehr schöne Szenenbilder nutzt und zudem Nakahara Chuuya viel Platz einräumt. Ich kann verstehen, dass das als Inspirationsquelle für die Darstellung dieser beiden Autoren in Bungo Stray Dogs diente.

Ningen Shikakku / No longer Human

Noch ein Film über Dazai, diesmal aus dem letzten Jahr. Auch den fand ich sehr gut gemacht und stellenweise echt witzig, beispielsweise die Seitenhiebe auf Shiga Naoya.

Der Fall Collini

Wer hätte gedacht, dass Elyas M'Barek so eine Rolle spielen kann? Ein Anwalt vertritt den pensionierten Gastarbeiter Collini, der scheinbar völlig grundlos einen Industriellen erschossen hat. Die Aufdeckung des Falls führt bis zurück ins Dritte Reich. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Ferdinand von Schirach.

Extremely Wicked​, Shockingly Evil and Vile

Wer hätte gedacht, dass Zac Efron so eine Rolle spielen kann? Tja, ich jedenfalls schon. Als damals ein Remake von Death Note aus amerikanischer Feder im Gespräch war, hätte ich für Zac Efron in Lights Rolle plädiert, weil er ein Saubermann-Image ausstrahlt, dahinter jedoch düster und zwiespältig sein kann. Leider ist das nicht passiert, stattdessen kam so ein Geschwür von Death-Note-Adaption heraus, aber reden wir nicht davon. Sprechen wir lieber über "Extremely Wicked", einen Film, bei dem man sich glücklicherweise für Efron entschied, um die Rolle des Ted Bundy zu besetzen. Jeder hat diesen Namen schon mal gehört, er ist einer der bekanntesten Serienkiller. Der Film setzt meines Erachtens ausgezeichnet, abgesehen von ein paar Freiheiten, die Tatsachen zu Bundys Fall getreu den Ereignissen um und macht vor allem nachvollziehbar, warum so viele Frauen sich von seinem Charme einnehmen ließen und sogar seine Freundin lange Zeit von seiner Unschuld überzeugt war.


Musik


Faber



Letztes Jahr entdeckt und auch sein neues Album "I Fucking Love My Life" läuft bei mir in der Schleife.

Dienstag, 17. März 2020

Die letzten ihrer Art [Teil 3]

Douglas Adams und Mark Cawardine
Die letzten ihrer Art
Eine Reise zu den aussterbenden Tieren unserer Erde
Ursprünglich wollte ich zu diesem Buch nur einen einzigen, möglichst kurzen Blogeintrag verfassen, doch am Ende ist das hier ganz schön ausgeartet. Nach dem ersten und zweiten Teil folgt nun der dritte und wirklich letzte Part einer Rezension, die schon lange keine mehr ist.
Eine abschließende unglaubliche und glücklicherweise positive Geschichte, von der Adams erzählt, betrifft kein Tier, sondern eine Pflanze: den Ramosmania rodriguesi oder auch Café Marron. Diesen Strauch hielt man für ausgestorben, bis ein Junge auf Rodriques zufällig einen Zweig davon in die Schule brachte. Er stammte von dem einzigen verbliebenen Exemplar dieser Pflanze.
Mit aussterbenden Pflanzenarten könnte man gleichermaßen mehrere Bücher füllen, doch obwohl es Adams und Cawardine nur um Fauna, nicht um Flora ging, so finde ich die Erwähnung des Ramosmania rodriguesi sehr bezeichnend. Diese Kaffeepflanze fristete unter recht schlechten Bedingungen irgendwo in der Wildnis ein einsames Dasein, war über die Jahre jedoch unbehelligt geblieben. Nach ihrer Entdeckung zog man um den kleinen Baum einen Stacheldrahtzaun, um ihn vor Ziegen u. ä. zu schützen. Das war vielleicht ein Fehler, denn seit dieser Maßnahme war der Café Marron tatsächlich ernsthaft bedroht. Was auf solche Weise gehütet wurde, musste wertvoll sein, das schienen die Leute zu glauben. Als letzter seiner Art war der Baum für die Wissenschaft durchaus bedeutsam. Doch wurden ihm nach seinem Bekanntwerden von den Bewohnern der Insel auch zahlreiche heilende Fähigkeiten angedichtet. Immer mehr Leute interessierten sich für den Baum und schnitten Äste davon ab, was ihn beinahe getötet hätte. Man errichtete einen weiteren Stacheldrahtzaun und noch einen und noch einen, dann setzte man einen Wächter davor.
Heute ist der Baum noch immer vom Aussterben bedroht, aber bei einem Ableger in London gelang es, die Pflanze zu befruchten, damit sie vermehrt werden kann und sich nicht mehr nur selbst reproduziert. So weit ein Happy End. Bemerkenswert, und das nicht in guter Hinsicht, ist aber der Umstand, dass der Ramosmania rodriguesi erst wirklich bedroht war, als man sich um seinen Schutz bemühte.
Das liegt nun im Bereich meiner Spekulation, aber ich glaube, die Einzigartigkeit der Pflanze und dieser Zaun zum Schutz haben den Baum zu etwas Begehrenswertem gemacht.
Ein ähnliches Problem sehe ich bei Nashörnern und anderen Tieren, die wegen irgendeines Körperteils gejagt werden, um daraus Schmuck oder eine absurde chinesische Medizin zu machen. Soweit ich weiß, werden beschlagnahmte Stoßzähne und ähnliches zerstört oder eingelagert. 2016 wurden in Kenia über 100 Tonnen Elfenbein verbrannt, um ein Zeichen zu setzen. Ich halte dieses Vorgehen für falsch. Damals hätte ich noch gesagt, man solle das Zeug für einen Spottpreis auf den Markt werfen, damit sich jeder Trottel so etwas kaufen kann. 100 Tonnen, das ist eine ganze Menge. Indem man es verbrennt, steigt es nur in seinem Wert, und genau das finde ich daran verkehrt.
Solch eine Ansicht ist allerdings nicht neu, sie wird von einigen Tierschützern vertreten, kann aber heute nicht mehr so einfach als Antwort herhalten. In den 80er Jahren haben in Afrika vor allem Milizen die Tiere gewildert, um den Bürgerkrieg zu finanzieren. Danach erholte sich der Bestand. In Südafrika errichtete der Millionär John Hume sogar eine Nashornfarm, um das Horn zu "ernten" und auf den Markt zu bringen. Er war der Ansicht, ein regulierter Markt müsse das Problem lösen, ähnlich wie bei Drogen eine Regulation mehr Erfolg bringt als ein Verbot. John Humes Farm ist mittlerweile pleite. Er konnte aufgrund von Restriktionen offenbar kein einziges Horn verkaufen. So gut die Idee auch wäre, so sehr scheitert sie doch an einer Realität, in der sich jeglicher Handel in der Hand des organisierten Verbrechens befindet. Ohnehin war vielen Tierschutzorganisationen seine Farm ein Dorn im Auge. Sie befürchteten, er würde den Markt erst recht befeuern, anstatt ihn einzudämmen. Damit Hume sein Horn überhaupt verkaufen durfte, mussten Sonderregelungen eingeführt werden, die einen Handel mit Rhinohorn, welches nicht aus Wilderei stammte, zuließen. Eine solche Unterscheidung lässt sich in der Praxis aber kaum vornehmen und würde letztlich auch den Wilderern in die Hände spielen. Doch selbst wenn es möglich wäre, stellt das schon lange keine Lösung mehr dar. Die Nachfrage heutzutage geht größtenteils von einer sich entwickelnden reichen Mittel- und Oberschicht in China und Vietnam aus; zum Beispiel Rhinohorn als Potenzmittel, Pangolinschuppen als Medizin oder Elfenbein als Schmuck und allgemeine Kapitalanlage. Mit wachsendem Wohlstand können sich das immer mehr Leute leisten. Kein Bestand auf einem wie auch immer regulierten Markt könnte dieser Nachfrage gerecht werden.
Warum bedenkt der Markt nicht, dass seine Quelle irgendwann versiegt sein könnte, sobald die Tiere aussterben? Einerseits lässt sich das mit kapitalistischem Egoismus und Ignoranz erklären. Im afrikanischen Wildschutz ist Korruption ein großes Problem. Zudem leidet das Volk vielerorts unter Hunger und Armut. Wer um seine Existenz fürchtet, kümmert sich nicht um Arterhaltung. Das lässt sich schwer ändern, solange das tote Tier mehr wert ist als das lebendige. Andererseits ist die Ausrottung einer Tierart für den Konsumenten nicht zwangsläufig schädlich, zumindest nicht für jene, die darin eine Kapitalanlage sehen. Anders formuliert: Man legt sein Geld in Elfenbein an und spekuliert auf das Aussterben der Elefanten. Aufklärung nützt wenig, wenn auf Seiten des Abnehmers ein solches Kalkül dahintersteckt oder es für die traditionelle Medizin keine Rolle spielt, ob man statt der Einnahme von Pulver aus Rhinohorn oder Pangolinschuppen auch einfach an seinen Fingernägeln kauen könnte.
Angesichts dieser Situation ist es für Tierschutzorganisationen schwer, überhaupt etwas zu unternehmen; als wollte man ein brennendes Haus mit einem Fingerhut voll Wasser löschen. Nicht immer sind Entscheidungen, die dabei getroffen werden, richtig. Tiere zum Schutz in Gefangenschaft zu halten und ihnen die Hörner zu stutzen, wird als Vorgehen schnell in Frage gestellt. Manchmal gelingt eine Rettung einzig durch Umsiedlung oder Isolierung. Bei den im vorigen Beitrag erwähnten Vaquitas, den kalifornischen Schweinswalen, endete der Versuch des Einfangens katastrophal. Das erste Tier musste aufgrund seiner Panik sofort wieder freigelassen werden, das zweite verendete am Stress. Dem kleinen Wal kann vermutlich nicht mehr geholfen werden. Die Ursachen sind in vielen Fällen ähnlich: Umweltverschmutzung, Verlust des Habitats, Eindringen exotischer Arten. Das sind durch den Menschen indirekt verursachte Gründe. Hinzu kommt übermäßige Bejagung oder Beifang als direkte Ursache. Tierschutz kann hier noch immer greifen, aber er scheitert fast vollständig, wenn er auf eine stets wiederkehrende Kombination an Faktoren stößt: nämlich erstens dann, wenn es um ein lukratives Lebewesen geht, und zweitens in einem Land mit armer Bevölkerung und versagenden staatlichen Einrichtungen. Wenn sich hier politisch nichts ändert, womit auch Restriktionen im Abnehmerland gemeint sind, dann bleibt Tierschützern nichts weiter übrig, als einzeln illegale Netze zu entfernen usw., also den Brand mit einem Fingerhut zu löschen. Teilweise kann das Eingreifen solcher Organisationen sogar kontraproduktiv sein, wenn etwa öffentliche Anklagen die Bevölkerung treffen und außer Acht lassen, dass ihnen manchmal keine andere Wahl bleibt. So verhärten sich die Fronten. Schuld ist irgendwie jeder und niemand. Das Zusammenspiel der Ursachen gestaltet sich stets sehr komplex, wie das Beispiel des Vaquitas deutlich zeigt.
Die amerikanische Biologin Rachel Carson schrieb 1962 das Buch "Der stumme Frühling", worin sie auf die Auswirkungen des Pestizids DDT aufmerksam machte, durch das nicht nur Schädlinge umgekommen waren, sondern auch zahlreiche Singvögel. Es ist nicht erst ein Thema seit gestern. Auf verschiedene Weise nimmt der Mensch immer Einfluss auf die Natur, er kann Tierarten ausrotten, er kann sie retten und schützen und einigen verhilft er sogar zur Existenz. Etliche domestizierte Arten würden sonst heute nicht existieren. Es gibt Tiere, die sich an das Stadtleben anpassen, neue Arten, die dadurch entstehen; Tiere, die mit dem Menschen reisen, am bekanntesten hierfür sind Spatz und Taube. Tierschutzorganisationen sind ständig dazu genötigt, darüber zu entscheiden, welche Art gerettet werden sollte und welche nicht. Woran macht man das fest? Am Nutzen, den diese Tiere vermeintlich haben, zum Beispiel Wildbienen und andere Bestäuberinsekten für unsere Landwirtschaft? Oder das Axolotl für unsere Forschung? Oder das Aye-Aye, weil es so viele besondere Eigenschaften hat? Oder den Café Marron, weil es der letzte ist? Oder den Kakapo, weil er so ein ulkiger Vogel ist?Die Liste der mittlerweile vermutlich ausgestorbenen Tiere scheint endlos. Das Breitmaulnashorn und der Jangtse-Delfin, die im Bericht von Douglas Adams vorkommen, sind praktisch ausgestorben. Vom Pyrenäensteinbock starb das letzte Exemplar 2000; zwar wurde dieser Steinbock 2009 als erstes Tier durch Klonen zurückgebracht, starb jedoch nach wenigen Minuten. Die Hawaiikrähe oder der Spix-Ara sind in freier Wildbahn ausgelöscht. Von den 15 Unterarten der Galapagos-Riesenschildkröte sind 5 bereits ausgerottet, die anderen stehen unter Artenschutz. Als ausgestorben gelten die Goldkröte, der Java-Tiger, der Delacour-Zwergtaucher, der Tecopa-Kärpfling, der Sansibar-Leopard, die Karibische Mönchsrobbe, der Elfenbeinspecht, der Weißwangen-Kleidervogel, der Madeira-Kohlweißling ... Es ist völliger Quatsch, hier so eine Liste anzufangen, um das Massensterben von Tierarten deutlich zu machen. Es sollen jährlich mindestens 20 000 Arten sterben. Manche Schätzungen gehen von 60 000 aus.
Nun lautet die Frage, die sich wahrscheinlich nicht viele, aber doch einige stellen: Wozu soll man sich darum kümmern? Was wäre so schlimm daran, wenn ein ulkiger Papagei ausstirbt? Denn - so lautet das einfache Argument - es sterben mittlerweile schlicht so viele Arten aus, weil es nun mal so extrem viele, spezialisierte Arten gibt.Ich kann es nicht mehr genau rekonstruieren; bei irgendeiner Show oder einem Programm äußerte sich vor ein paar Jahren Dieter Nuhr über Umwelt- und Klimaschutz mit der Ansicht, es ginge nicht darum, dass man die Natur schützen müsse. Sinngemäß sagte er: "Der Natur ist das scheißegal. Die tauscht ein paar tausend Arten aus und macht weiter." Schädlich sei das alles nur für den Menschen.Andererseits ziehen einige Leute sogar diesen vermeintlichen Schaden für die Menschheit in Zweifel und argumentieren, dass man zum Beispiel in nördlichen Regionen anbauen könnte, wenn es auf der Welt wärmer werde usw. usw. Kommt man gegen solche Argumente an? Tangieren uns überhaupt die paar Vögel und Wale und sonstige Arten, die aussterben und an deren Stelle eben andere Lebewesen treten; neue, besser angepasste, weltweit verbreitete Tier- und Pflanzenarten?Hierauf kann ich nur mit meiner eigenen Meinung antworten. Ich glaube, Inseln wie Mauritius zeigen uns, wie leicht ein Ökosystem im Kleinen zusammenbrechen kann. Vieles hängt miteinander zusammen. Daher können wir gar nicht abschätzen, welche Auswirkungen das Verschwinden einer Art hat, die womöglich viele andere mit sich nimmt, weil das Gleichgewicht gestört ist. Insektizide töten Pflanzenschädlinge, aber gleichzeitig auch Bestäuberinsekten, die für ertragreiche Ernten ebenso wichtig sind wie ein intelligenter Pflanzenschutz. Die meisten Menschen, möchte ich behaupten, ernähren sich heutzutage im Gegensatz zu unseren Vorfahren nur noch von einer Handvoll Lebensmitteln. Einiges davon gab es früher im europäischen Raum gar nicht, zum Beispiel die Kartoffel. Stattdessen aßen wir diverses Wurzelwerk und Kräuter, von denen wir heute kaum mehr wissen. In der Neuzeit wurden von Großkonzernen wie Monsanto ein paar Arten hochgezüchtet und verbreitet, bis sie alles andere fast völlig verdrängten. 94% des einstigen Saatgutes sind in den letzten 100 Jahren verschwunden. Es gibt zwar einen Trend zurück zu den Wurzeln im wahrsten Sinne des Wortes, aber die meisten werden bei ihren Nudeln und Kartoffeln bleiben. Monokulturen sind anfällig für Krankheiten und Schädlingsbefall, auf dem Feld genauso wie in unseren angelegten Wäldern. Massentierhaltung ist das Äquivalent zu diesem einseitigen Anbau. Ich glaube nicht, dass wir unsere Welt so weit reduzieren können, auf ein paar Basisbausteine aus Nutztieren und Kulturpflanzen, dass am Ende trotzdem noch alles funktioniert. Sümpfe, Mangrovenwälder, reiche Ökosysteme in Steppen und Wüsten sind nicht einfach ungenutztes Land, das man kultivieren müsste. Insekten oder Wildtiere sind keine Plagen, die einer Urbarmachung im Weg stehen. Sogar Fledermäuse, die oftmals als unheilvoll empfunden und gejagt werden, tragen mancherorts zur Bestäubung von Pflanzen bei. All diese Wechselbeziehungen von komplexen Ökosystemen werden oft außer Acht gelassen. Das Gleichgewicht unserer Erde hängt meines Erachtens von der Vielfalt ab.
Laut den letzten Berichten des IPBES ist die Biodiversität weltweit in einem schlechteren Zustand als erwartet. 6,6 Millionen Quadratkilometer in Afrika sind abgebaut oder stark beeinträchtigt, das ist nach meiner Berechnung ein Fünftel der Gesamtfläche. Ähnlich beeinträchtigt sind 65% der Fläche in Amerika. 8 der 10 am stärksten verschmutzten Flüsse liegen in Asien. Durch die Globalisierung bleiben die Probleme nicht innerhalb der Landesgrenzen, sondern hängen miteinander zusammen.

Von Spiegel Online zusammengefasst
Die wichtigsten Erkenntnisse des Berichts über den weltweiten Zustand der Natur:
  • 85 Prozent der Feuchtgebiete sind bereits zerstört
  • Seit dem späten 19. Jahrhundert sind rund die Hälfte aller Korallenriffe verschwunden
  • Neun Prozent aller Nutztierrassen sind ausgestorben
  • Zwischen 1980 und dem Jahr 2000 wurden 100 Millionen Hektar tropischer Regenwald abgeholzt - weitere 32 Millionen Hektar allein zwischen 2010 und 2015
  • 23 Prozent der Landfläche des Planeten gelten als ökologisch heruntergewirtschaftet und können nicht mehr genutzt werden
  • Der Verlust von Bestäuberinsekten bedroht Nahrungsmittelproduktion im Wert von 235 bis 577 Milliarden Dollar pro Jahr
  • Durch die Zerstörung von Küstengebieten wie Mangrovenwäldern ist die Lebensgrundlage von bis zu 300 Millionen Menschen gefährdet