Montag, 1. Februar 2010

Gothic: Schwarz ist ästhetisch bunt


Fortsetzung zum Eintrag über Satanismus

Im Zusammenhang mit dem Thema Satanismus ist etwas anderes ebenfalls auffällig, wenn man Modeerscheinungen betrachtet, denen man einen Inhalt zuzuweisen versucht. Es ist immer wieder schwer, bei verschiedenen Gruppierungen die Unterscheidungen in politischer oder religiöser Richtung vorzunehmen.
Scientology wird momentan beispielsweise eher als rechts angesehen, vor allen Dingen wegen der Aussage zur "Säuberung"; früher hat Tom Cruise die Verleumdungen gegen diesen "Orden" jedoch mit der Hetze der Nazis gegen die Juden verglichen, was ja eher auf links schließen lässt.
Ursprünglich hat Scientology wiederum die gleichen okkulten Wurzeln wie der Nationalsozialismus und Tom Cruise meinte selbst mal, dass Scientologen die besseren Menschen seien im Vergleich zum Rest, was wiederum stark an das dritte Reich erinnert. Allerdings fehlt hier die Ariosophie - Scientology macht es nicht an einer Blut- und Bodenideologie fest. Den Grundgedanken verändert das dennoch nicht.
Bei allgemein bezeichneten "Schwarzlern" ist es ebenso schwer, die Unterscheidung in politischer Richtung vorzunehmen. Obwohl Gothics eigentlich unpolitisch sind, kann man meiner Meinung nach eher einen linksgerichteten Trend wahrnehmen. Dero beispielsweise ruft häufig mal bei Konzerten "Nazis raus" oder ähnliches. ASP bedankt sich in seinen CDs oft bei Rechtsradikalen, dass sie seine Musik nicht mögen. Es gibt Auslegungen wie Schwarzpunks oder Rocker, die sowohl in die düstere als auch in die linke Richtung tendieren.
Auf der anderen Seite ist der Übergang vom Gothic zum Metal auch schnell vollzogen, wo es dagegen viele Bands gibt, denen rechtsextremer Inhalt nachgesagt wird. Klar, dazu kommen die mythologischen Inhalte, germanische Runen, Gottheiten und ähnliches... das alles wird nun einmal auch auf rechtsextremer Seite verwandt.
Und bei Punks kann man heutzutage auch nicht mehr leicht unterscheiden. Springer trägt mittlerweile fast jeder und an den Schnürsenkelfarben kann man sich heutzutage dummerweise nicht mehr orientieren, weil viele Schwarzpunks davon keine Ahnung mehr haben... Noch dazu gibt es Hooligans auf allen Seiten.
Dahin gehend war es mir fast lieber, dass in NRW mehr Emos rumrennen, denen man schon ansieht, dass sie harmlose Mitläufer sind.

So viel zur Politik, aber wie sieht es mit der Religion aus? Ich sehe Gothics mit Kreuzen und ich sehe welche mit Pentagrammen, mit einem oder auch mit zwei Zacken oben, genauso wie ich auch umgedrehte Kreuze sehe. Ich selbst trage beides, sowohl Kreuze als auch umgedrehte Pentagramme, aber keine umgedrehten Kreuze und keine normalen Hexenpentagramme.
Da das alles im Trend mitschwimmt, kann man viele Leute nicht mehr einschätzen oder einordnen. Sind es nun Möchtegernsatanisten, die schon mal eine Katze umgebracht haben, oder tatsächliche Vertreter von LaVeys Lehre oder fanden sie nur das Symbol toll, sind es vielleicht Christen oder Atheisten, treffen die sich nachts auf dem Friedhof oder sind es Fans von Tokio Hotel...?
Diese Unwissenheit und Ignoranz von vielen finde ich doch sehr beunruhigend.

Nun gut, es geht aber nicht nur um Satanismus und diverse Religionen.
Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, noch einmal breit zu erklären, woher Gothic nun eigentlich kommt und was es auszeichnet, aber das ist ein recht weitläufiges Gebiet, das ich wahrscheinlich immer wieder erweitern könnte.
Grundsätzlich sagt man, dass sich Gothic in den 80er Jahren aus der Punkbewegung entwickelt hat. Es gab und gibt ja sehr viele bunte Punks, die man zumeist auf der Straße antrifft. Dann gab es aber auch schon sehr schnell komplett schwarz gekleidete Punks, deren Vorbilder man meinetwegen bei den Sexpistols sehen konnte. Sicher existieren beim Gothic auch viele Einflüsse vom Metal, der ja ebenfalls düster orientiert ist. Und wenn man sich diese drei Richtungen so anschaut, dann gibt es bei allen ähnliche Abstufungen.
Im Metal kennt man die dunklen, furchteinflößenden Gestalten, die zumeist entweder aggressive oder depressive harte Musik machen. Auf der anderen Seite hat sich aber beispielsweise mit Kiss die Richtung des Glam Metal herausgebildet. Ein weiteres Beispiel für diesen Glam ist auch die Rocky Horror Picture Show. Düstere Aspekte werden zum Teil maskiert und satirisch dargestellt. Und diese Art von Glam findet man beim Gothic wieder. Es gibt die normalen Gruftis, die zumeist unauffällig schlicht schwarz gekleidet sind, ohne viel Schnickschnack. Dann gibt es die richtigen Gothics mit aufwändigen schwarzen Kostümierungen. Es gibt Fetischgoths in Lack und Leder, genauso wie Gothic Lolitas in Rüschen- und Spitzenkleidern und mit niedlichen Accessoires oder sogar Mischungen aus Lolita, Punk und Goth. Überall auf der Welt hat sich das anders herausgebildet und sieht es anders aus. Europa, Amerika, Asien... in Europa wird man wahrscheinlich viel mehr klassische Gothics antreffen, weil auch einfach die hiesige Geschichte dazu beiträgt. In Amerika gibt es wahrscheinlich eher Mischungen aus Punk und Metal. Dagegen sind in asiatischen Ländern wie Japan sehr stark Lolitas vertreten, Glam Rock, Visual Kei eben. Da geht es viel mehr um das Aussehen als um irgendwelche Anschauungen. Beim Visual Kei kann man die Musikrichtungen schwer festmachen, weil sich diese Gruppierung tatsächlich nur durch ihr Äußeres definiert.
All diese unterschiedlichen Stile verbreiten sich durch das Internet mittlerweile auf der ganzen Welt und bilden Mischformen, die man kaum mehr in Schubladen stecken kann. Visus gab es vor einigen Jahren bereits hierzulande. Zu der damaligen Zeit war zumindest in Deutschland noch gar keine Rede von Emos. Diese Richtung habe ich bewusst erst vor zwei bis drei Jahren hier festgestellt, im Westen übrigens stärker als im Osten. Das scheint allerdings eine Beeinflussung aus den USA zu sein, vielleicht noch aus England. Mittlerweile weisen jedoch auch Emos sehr viele verniedlichende Tendenzen auf, was eher an den asiatischen Raum erinnert. Letztens habe ich gehört, dass der Emo-Stil eine Mischung aus Gothic, Punk und Manga ist. Demnach wurde alles, was gerade so in war, in einen Topf zusammengeworfen.

Mittwoch, 13. Januar 2010

Satanismus: Unschuld ist heilig und Hass erlaubt



Eine ganze Menge von Leuten dachte früher, dass Gothics und Satanisten das Gleiche wären. Doch die meisten der in die Schwarze Szene Integrierten wehren sich vehement gegen eine Bezeichnung als Satanisten. Einige vertreten häufig noch die Ansicht, Satanisten würden Kinder opfern und einem Satan frönen und wollen sich von einer solchen Einordnung (verständlicherweise) distanzieren. Dabei lassen sie völlig außer Acht, was den Satanismus eigentlich ausmacht.
All jene Beispiele von "Kindern und Jungfrauen als Menschenopfer" sind bestenfalls Ausdruck eines individuellen Satanismus', bei dem sich jemand gedacht hat, er könne für seine Taten einfach mal das Böse schlechthin zum Grund erklären. Viele "echte" Satanisten würden an dieser Stelle ziemlich entrüstet sein, sich mit solchen kriminellen Vollidioten wie dem Ehepaar Ruda vergleichen zu lassen.
Die Form des Satanismus, die auf der satanischen Bibel von LaVey beruht und auf die sich mittlerweile die meisten berufen, lässt Opferungen aller Art völlig außen vor und verabscheut sie sogar. Die Grundregeln 9 bis 11 besagen nämlich, man solle keine Kinder verletzen, keine Tiere töten, wenn sie einen nicht angreifen oder man sie verzehren möchte, und man soll keine Menschen in der Öffentlichkeit belästigen.
Satan steht eher für die Individualität an sich, für das eigenverantwortliche Denken und Handeln im Menschen und dafür, sich nicht von einem höheren Gott oder einer überirdischen Kraft unterdrücken zu lassen. Darum könnte auch jeder Atheist dieser "Lehre" angehören. Hinzu kommt, dass dieser (autarke) Satanismus die Bibel nicht verneint; es ist eher eine weitere Form des Christentums, die sich von ihm abgezweigt oder vielmehr von der Kirche losgelöst hat.
Im Neuen Testament, also im Christentum, war Satan durchaus ein Zeichen des Bösen. Im Alten Testament und demnach in allen ursprünglichen Religionen, die einen einzigen Gott verehren, aber nicht. Die ersten monotheistischen Anschauungen enthielten nicht das absolute Böse, sondern betrachteten es als einen Teil vom Ganzen. Häufig wird der im Alten Testament beschriebene "Geist", der später die Rolle des Teufels einnimmt, als ein Prüfer angesehen. Er stand direkt unter Gott als einer seiner Angehörigen, der für Gott die Menschen auf ihren Glauben prüfen sollte, und er war demnach nichts zwingend Schlechtes. Natürlich rief er das Böse im Menschen hervor, aber das hing schließlich wiederum vom Menschen ab.
Die anderen beiden, eher neuzeitlichen Ansichten beruhen darauf, dass man Gott als den Unterdrücker des Menschen sieht und Satan als dessen Befreier, wie Prometheus, der den Menschen das Feuer brachte und dafür in den Orkus verbannt wurde. Da steht Luzifer als Lichtbringer im Mittelpunkt. Allerdings ist diese Meinung auch ein wenig benachteiligend für den Menschen, da Luzifer schließlich erst aus dem Himmel verbannt wurde, als er sich weigerte, vor Adam, der Krone der Schöpfung Gottes, in die Knie zu gehen. Warum sollte Luzifer dem Menschen also wohlgesonnen sein, wenn er ihn nur als einfachen unwürdigen Lehmklumpen ansah? Diese Anschauung nennt man jedenfalls gnostisch umgewerteten Satanismus.
Beim zweiten, dem integrativen Satanismus werden Gott und Teufel gleichgesetzt, sie sind Teil ein und derselben Kraft im Menschen. Das muss ebenfalls nichts zwingend Übernatürliches sein, wenn man erneut auf atheistische Ansichten verweist.

Viele, die sich satanistischen Vorstellungen angeschlossen haben, waren - wenn überhaupt - nur deswegen gegen das Christentum, weil sie es als Unterdrückung ansahen und die in der Bibel beschriebenen Opferungen verachteten. Für sie hat jedes Leben den gleichen Wert, egal ob Mensch oder Tier. Wie gesagt, dem unschuldigen Leben darf kein Leid angetan werden. (Darum werden einige Satanisten auch zu Vegetariern.) Besonders in der Lehre von LaVey spielt das eine große Rolle.
Bei Crowley, Begründer des Satanismus vor LaVey, der sich selbst als das Tier 666 bezeichnete, sah das anfangs allerdings auch ein wenig anders aus, so viel möchte ich noch hinzufügen. Man muss ihm zugestehen, dass er wahrscheinlich nur so geworden ist, weil seine Eltern einer fanatischen christlichen Sekte angehörten, wobei sich Crowley jedoch in seiner extremen Anschauung später geändert hat und weniger radikal auftrat.
Es gibt genauso christliche Glaubensorden, die völlig neben der Spur laufen und denen anscheinend nur Bekloppte angehören. Solche Vereinigungen, die zum Beispiel meinen, nicht Gott sondern Satan hätte die Welt erschaffen, um Gott zu ärgern und die Seelen der Menschen in dieser Welt gefangen zu halten. Um von dort ins Paradies zu kommen, müsse man so schnell wie möglich durch Verhungern Suizid begehen. Oder solche seltsamen christlichen Messen, bei denen Sperma und Menstruationsblut als der Leib Christi verzehrt wird. Da steht das Christentum dem Satanismus in nichts nach.


Satanismus und kirchliches Christentum sind sich in vielen Dingen erstaunlich ähnlich. Es gibt positive Sachen und negative, wobei ich für mich persönlich sagen muss, dass die positiven auf der Seite des Satanismus eindeutig überwiegen. Dafür ist er letztendlich aber auch gefährlicher. Gefährlich ist zum Beispiel, dass keine Unterscheidungen vorgenommen werden, was die Bezeichnungen im Satanismus anbelangt. Alles, egal in welche Richtung es geht, kann unter Satanismus eingeordnet werden, selbst irgendwelche tier- oder kinderopfernden Idioten. Natürlich haben die einzelnen Orden ihre Namen, aber es gibt im Grunde genommen keine einheitliche "Kirche" (abgesehen von der Church of Satan, aber bei der geringen Mitgliederzahl...).

Beim Christentum gibt es zumeist zwei verschiedene Glaubensbekennungen, katholisch und evangelisch, und der Rest wird anders genannt oder es sind irgendwelche Randerscheinungen und Sekten, die allerdings alle davon distanziert betrachtet werden können. Geht es jedoch um den Glauben um Satan oder einfach nur um Ansichten, die als solche bezeichnet werden können und alles gänzlich Übernatürliche verloren haben, dann wird meist an das Bild des Teufels gedacht, das im Neuen Testament auftaucht, wie ich bereits weiter oben erklärte.

Verallgemeinerung und Irrglauben sind meist die Folge. Dabei bauen beide "Religionen" aufeinander auf - der Satanismus greift eine ganze Menge Dinge aus der Bibel auf, die widersprüchlich sind, und wandelt sie deshalb in eine ebenfalls auf diesen Grundlagen aufbauende Philosophie um (wohlgemerkt nicht bei allen Ausrichtungen)
.


"Wenn Jesus Christus der größte Mensch ist, solltest du ihn in höchstem Maße lieben. Höre doch, wie er das Gesetz der zehn Gebote bekräftigt hat: Spottete er nicht über den Sabbat und somit auch über den Sabbatgott? Mordete er nicht jene, die um seinetwillen gemordet wurden? Wandte er nicht das Gesetz ab von der Ehebrecherin? Stahl er nicht die Arbeit anderer, sich selbst zunutze? Legte er nicht falsches Zeugnis ab, als er vor Pilatus sich zu verteidigen unterließ? War er nicht begehrlich, als er für seine Jünger betete und sie den Staub von ihren Füßen schütteln hieß gegen die, die ihnen Herberge weigerten? Ich sage dir, keine Tugend kann bestehen, ohne dass diese zehn Gebote gebrochen werden. Jesus war ganz Tugend und handelte aus innerem Antrieb, nicht nach Regeln."
Die Hochzeit zwischen Himmel und Hölle
von
William Blake

Die Grundgedanken des Satanismus sind nicht schlecht. Außerdem ist dieses Thema in der Literatur sehr in
teressant: Charles Baudelaire, John Miltons "Paradise Lost", Dantes "Inferno" oder die Trilogie "His Dark Materials" von Philip Pullman, der von allem ein wenig in seine Erzählung eingebaut hat.
Gesellschaftsrebellion durch Satanismus dagegen finde ich inhaltlos. Oder wenn man daraus Kommerz macht, wie Marilyn Manson oder Cradle of Filth. Bei den Berühmtheiten aus Amerika scheint es ja ein Trend zu sein, irgendeiner Organisation anzugehören, wie beispielsweise Tom Cruise. Und wenn man mal hinter die Fassaden blickt, dann sind nicht nur Orden wie Church of Satan in dieser Richtung orientiert, auch Scyntology, die Illuminaten oder Freimaurer, sie alle haben ihre Wurzeln bei derlei Gruppierungen, den Rosenkreuzern, O.T.O. (Ordo Templi Orientis), die in anderer Richtung als Satanismus bezeichnet werden und die ursprünglich aus den christlichen Ritterorden entstanden sind.


Dass viele nur irgendwelchen Trends nachjagen, sehe ich da als echtes Problem. Es gibt schon zu viele, die als Modegothics (oder mittlerweile Emos?) rumlaufen. Und vielleicht ist gerade das ein Grund, um ein wenig mehr in dieser Richtung aufzuklären, damit nicht so viele Trugschlüsse entstehen. Wenn ich mal die Bücher von Ravensburger ansehe, in denen Satanismus eine Rolle spielt, dann muss ich feststellen, dass dort hoffnungslos falsch ausgelegt und/oder verallgemeinert wird. Natürlich gibt es auch solche Gruppen und ich will ihren Stellenwert als Satanismus nicht bestreiten, aber echter Satanismus ist das für mich nicht.

Na ja, ich bin kein Satanist, generell glaube ich an nichts außer mich selbst (obwohl das wieder die beste Voraussetzung für diese "Glaubensrichtung" wäre). Ich finde es nur schade, dass besonders dieses Thema so voller Missverständnisse steckt.

Literatur:
LaVey, Anton Szandor: Die Satanische Bibel & Die Satanischen Rituale, Zeltingen-Rachtig 2007.
Schweer, Thomas: Satanismus, München 2004.
Schmidt, Joachim: Satanismus. Mythos und Wirklichkeit, Marburg ²2003.
Dvorak, Josef: Satanismus. Schwarze Rituale, Teufelswahn und Exorzismus. Geschichte und Gegenwart, München 2000.

Samstag, 2. Januar 2010

Homosexuell Erkrankte können trotzdem Christen sein

Auch unsere christlichen Brüder und Schwestern, die homosexuell erkrankt sind, können in unseren Kreis aufgenommen werden, schließlich sind wir alle sündig und kämpfen in unserem Leben um Absolution. Wir müssen uns gegen unsere Sexualität richten und dem allmächtigen Wort Gottes vertrauen, denn Sex darf keine Macht über uns haben! Wir müssen uns dagegen zur Wehr setzen, besonders gegen die uneinsichtigen Homosexuellen, die nichts an ihrem Verhalten ändern. Sie verschmutzen die Umwelt und sind für die globale Erwärmung verantwortlich, sonst hätte Gott diese Übel nicht über uns geschickt.
... Seltsam. Wir fragen uns, warum steht nichts zur Klimakatastrophe in der Bibel? Dabei sollte es doch möglich sein, dass ein einziges Buch über 2000 Jahre lang zutreffend ist. Dass Gott dies in seiner Allmacht geschafft hat, ist wirklich unglaublich. Es schaffen ja noch nicht einmal die Leute bei Microsoft eine Anleitung für Windows zu schreiben, die auch nur ein einziges Jahr lang zutrifft. (Daran zeigt sich wieder, dass der Mensch nicht allwissend und perfekt ist wie Gott und so.) Da wir uns allerdings in einer Stagnation befinden, ist es logisch, dass so ein Buch, das ja keinen Bezug zur Realität benötigt, immer up to date ist. Dann können wir gleich mal damit anfangen, uns gegen die Regierung zu stellen, weil die in diesem Jahr die Käfighaltung von Hühnern verboten hat. Das ist so unchristlich! Die Tiere müssen den Menschen unterworfen werden, darum dürfen sie auch in irgendwelchen Käfigen zugrunde gerichtet werden! Am besten machen wir mit den Homosexuellen (diesen Sodomisten!) das Gleiche, wenn sie sich nicht gegen die Auslebung ihrer bösen Neigungen richten. Wir stecken sie in Käfige und brennen sie mit dem ganzen psychisch kranken Pack nieder. Ein Glück, dass Kain Abel getötet und nicht gevögelt hat. Amen.

Mittwoch, 30. Dezember 2009

Das Leben ist nur sinnloser Zufall

Schicksal. Bestimmung. Gott.
Das ist alles Schwachsinn.
Die Leute wollen, dass ihr Leben einen Sinn ergibt. Sie wollen sich hinsetzen und wie kosmische Detektive alle bisherigen Ereignisse in ihrem Leben unter die Lupe nehmen, die wichtigsten Wendepunkte identifizieren, die sie geprägt haben, und diese Momente rückwirkend mit einer mystischen Aura ausstatten. Als würden die himmlischen Mächte des Universums wie ein Autorenteam die Fernsehserie unseres Leben schreiben, damit beauftragt, sich ungeheuer verwickelte Handlungsstränge auszudenken, die sich dann am Ende der Staffel in Wohlgefallen auflösen sollen. Niemand möchte glauben, dass das alles völlig willkürlich abläuft und die Richtung, die wir mit unserem Leben einschlagen, nur auf einer komplexen Reihe von Zufällen beruht, kleinen Atompilzwolken, in deren Fallout wir leben.
Mein fast perfektes Leben von Jonathan Tropper

Dienstag, 15. Dezember 2009

Stolz der Toten

Solch ein Toter ist anders als einer, der gleich nach dem Tod eingeäschert wird, dachte ich. Die Toten in der Wanne hier haben sich gleichsam zu Dingen verdichtet, sind kompakte Gegenstände geworden, losgelöst vom Leben. Ein Toter, der schnell eingeäschert wird, ist nicht so gegenständlich, dachte ich, er ist weder Gegenstand noch Bewusstsein, sondern geht über in einen undefinierbaren Zwischenzustand. Bei eiliger Einäscherung bleibt ihnen keine Zeit, gegenständlich zu werden. Die Toten, die die Wanne füllten, hatten diesen gefährlichen Übergangszustand überwunden. Ich betrachtete mir diese Gegenstände.
Ja, schienen sie zu sagen, wir sind Gegenstände, und sehr präzis gemacht. Wer eingeäschert wird, hat keine Maße und kennt nicht das sichere Gefühl der Schwere.
So verhält es sich, dachte ich. Der Tod ist gegenständlich. Bisher hatte ich den Tod nur unter dem Aspekt des Bewusstseins betrachtet. Doch nach dem Aufhören des Bewusstseins wird der Tod gegenständlich.
Als der Krieg zu Ende ging, musste er in den Herzen der Erwachsenen verdaut werden, und das unverdaulich Harte wurde ausgeschieden.
"Eure Hoffnung war eine schwere Verantwortung für uns. Doch der nächste Krieg ist eure Sache."
Der nächste Krieg wird beginnen, ob wir wollen oder nicht, und dann werden wir im Strom der leeren Hoffnung ertrinken.
"Ihr seid es, die den nächsten Krieg beginnen werden! Wir Toten können nur noch zuschauen und kritisieren."
Die Verantwortung beim Gebären ist genauso schwer wie bei einem Mord.
Der Embryo und die Leichen, das sind beides eine Art von Menschen, bei denen der Körper keine Verbindung mit einem Bewusstsein hat. Es sind Menschen, aber sie sind nur eine Verbindung aus Fleisch und Knochen.
Kenzaburō Ōe

Samstag, 12. Dezember 2009

Sterben für Jerusalem

Buchvorstellung

Dieter Breuers
Sterben für Jerusalem
Der Erste Kreuzzug


Vor 900 Jahren ging der Erste Kreuzzug zu Ende - ein historisches Ereignis, das bis heute nichts von seiner Faszination eingebüßt hat und das immer wieder Gegenstand historischer Abhandlungen und romantischer Verklärung wurde.
Doch was mit frommen Absichten, hehren Zielen und mit dem Ruf "Gott will es!" auf den Lippen begann, verkam recht bald zu einem elenden Unternehmen: Brutalität, Neid, Hemmungslosigkeit, Habsucht, Hunger und Streit waren an der Tagesordnung.
Anhand der spannenden Lebensgeschichten verschiedener fiktiver Personen lässt Dieter Breuers eine Welt erstehen, die uns auch heute noch Schauer über den Rücken jagt.

Insgesamt finde ich dieses Buch sehr gut gelungen, weil es die historischen Fakten liefert, ohne zu sehr ins Detail abzuschweifen. Wenn ich komplett über den Ersten Kreuzzug aufgeklärt werden möchte, dann lese ich schließlich ein Fachbuch. Viele Autoren von historischen Romanen neigen dazu, alles endlos aufzudröseln und letztendlich keine guten Geschichten zu erzählen, weil sie sich zu sehr an das Geschehnis halten und damit jedes Buch gleich klingt. Dann gibt es wiederum Leute, die so ausschweifen, dass von der eigentlichen Geschichte kaum mehr ein Hauch von Wahrheit bleibt und alles eher wie ein Fantasyroman anmutet. Breuers findet einen guten Mittelweg. Er beleuchtet die Fakten, ohne auszuschweifen. Er kreiert fiktive Charaktere, die er mit dem tatsächlichen Geschehnis verbindet, ohne sie zu sehr in einen gefühlsbeladenen Mittelpunkt zu stellen. Und er nutzt einen knappen, für historische Romane ungewohnten Schreibstil.
Es gibt zum Teil auch Negatives zu vermerken. Bei manchen Dingen weiß man nicht, wie sehr sich der Autor auf Quellen stützt und wie viel er sich selbst erdacht hat. Beispielsweise das Finden der Longinuslanze. Dazu gibt es im Buch auch kein Quellen- bzw. Literaturverzeichnis. Natürlich bemängle ich beides nicht, weil es sich nun einmal um einen Roman, nicht um ein Fachbuch handelt. Dennoch besitzt das Buch ein Personen- und Sachregister. Großer Pluspunkt. Damit können wenige Romane aufwarten.
Man könnte auch bemängeln, dass Breuers die Geschichte des Ersten Kreuzzuges aus einem ausschließlich negativem Blickwinkel beleuchtet. Allerdings soll es schließlich gegen alle Verklärung gehen. Das merkt man dem Schreibstil übrigens an. Hart, kühl, brutal. Dennoch wird hier von Menschen geschrieben, nicht von Bestien. Darum erkenne ich durchaus eine Nähe zur Realität. Die kurzen Sätze trafen noch dazu genau den Punkt. Dadurch wurde ich des Lesens kein einziges Mal müde.
Gut finde ich auch das prägnante Fazit, das zum Schluss gezogen wird, auch wenn es das Christentum wiederum ein wenig verteufelt. Die ganze Zeit über ist auf allen Seiten der Gedanke vorhanden, selbst den richtigen Glauben zu vertreten und gegen Ungläubige zu kämpfen. Aber letztendlich beten alle gleich und mehr oder weniger auch den gleichen Gott an. Da die Christen zu diesen brutalen Mitteln griffen und die Stätten des anderen Glaubens vernichteten, stehen sie am Ende im schlechtesten Licht da. Und ihren Sieg verdanken sie allem Anschein nach weniger einer göttlichen Fügung, als vielmehr Rücksichtslosigkeit, Glück und der Legitimation ihrer Handlung durch ein irregeführtes Dogma.
Also, alles in allem ist das Buch auf jeden Fall empfehlenswert.

Montag, 30. November 2009

Rule of Rose

Eine ungeordnete Rückmeldung zum Gameplay

Rule of Rose
Konsole:
PS2
Genre: Survival Horror

Rule of Rose wurde (zur Zeit dieses Eintrags jedenfalls) nicht in Deutschland veröffentlicht, weshalb ich mich extra dafür bei Ebay angemeldet habe, um es mir aus Frankreich zuschicken zu lassen. Von vielen Leuten wird dieses Spiel als verabscheuungswürdig beschrieben, weil es ein Horrorspiel ist, das unschuldige Kinder diffamieren würde. Das Produktionsteam hat sich für Rule of Rose beispielsweise an Goldings "Herrn der Fliegen" orientiert. Hier wird die Grausamkeit psychologisch durch Kinder verkörpert.



Ehrlich gesagt habe ich mir bei diesem Trailer das Spiel anders vorgestellt habe. Es soll ja eine Menge kontroverse Diskussionen in Gang gesetzt haben. Natürlich sind die Kinder tatsächlich ein wenig durchgedreht und es gibt auch so manches Mal eine Szene, die einem sehr abstrus erscheint. Aber die Gegenreaktion zu diesem Spiel ist tatsächlich übertrieben. So schlimm ist Rule of Rose wirklich nicht.
Es hat wunderschöne Zwischensequenzen und eine sehr gute Grafik auch während des Spielens. Der Soundtrack ist auch toll, erinnert aber keinesfalls an Horror. Generell würde ich das Spiel nicht unbedingt in die Ecke Survival Horror stecken, auch wenn eine andere Einordnung schwer ist. Die Themen sind ernst, es tauchen auch schaurige Monster auf, die aus der Horrorversion von Alice im Wunderland stammen könnten. Die Märchen, an denen sich das jeweilige Kapitel orientiert, werden ähnlich behandelt wie in den Liedern von Oomph!.
Oft gestaltet sich das Spiel allerdings wie eine große Suchaktion, da man meist nur dem Hund Brown hinterherrennt, um irgendeinen Gegenstand zu finden. Dabei sollte man darauf achten, sich niemals an Kleinigkeiten aufzuhalten. Denn Brown findet nicht nur die wichtigen Gegenstände zum Vorankommen im Spiel oder auch Proviant, um die eigene Lebensanzeige aufrechtzuerhalten. Man findet auch Wäscheklammern, alte Socken, Schleifenbänder und jede Menge Glasmurmeln (ich hatte über 30 Stück). Der Hund hat auch eine Schallplatte, Parfümflaschen und eine Filmrolle gefunden, bei denen ich überhaupt nicht weiß, wozu die da sein sollen.
Wie auch immer, man sollte sich mit dem Suchen jedenfalls nicht unbedingt aufhalten.
Ein echtes Übel ist das Kampfsystem. Jennifer kann sich durchaus zur Wehr setzen, wesentlich besser als Fiona bei Haunting Ground. Dafür hilft Brown aber auch nicht viel und das Kämpfen ist mehr Glückssache als alles andere. Wenn man sich vielen Gegnern gegenüber sieht, ist es am besten, einfach wegzulaufen. Egal mit welcher Waffe, man trifft die Gegner kaum, zumindest nicht gezielt und vorausschaubar. Vorteilhaft ist natürlich, dass auch die Gegner oft an einem vorbeispringen.
Die meiste Zeit ist Jennifer damit beschäftigt, gekonnt mit einer Schaufel oder einer sonstigen Waffe durch ihre Gegner hindurchzuschlagen. Kein Wunder, sie schaut dabei noch nicht einmal hin, sondern macht grundsätzlich die Augen zu. Sie ist schwach und stirbt sehr schnell. Wenn sie getroffen wird, dann fällt sie hin und braucht erst einmal eine Stunde, um wieder aufzustehen. Währenddessen können die Gegner in aller Seelenruhe weiter auf sie einhacken. Und wenn ihre Lebensanzeige sehr weit gesunken ist, dann bewegt sie sich so schnell wie eine alte Oma, der man von hinten in die Kniekehlen latscht.
Was auch sehr schön ist: man kann die Kamera nicht überall selbstständig bewegen. Es gibt nur eine Möglichkeit, bei langen Gängen oder Räumen die Kamera von einer der beiden Richtungen einzustellen. Sozusagen eine duale Kameraschwenkung. In vielen freien weiten Räumen ist das aber überhaupt nicht möglich, zum Beispiel bei einigen Bosskämpfen. Das wäre an sich nicht schlimm, wenn die Kamera zumindest das gesamte Geschehen zeigen würde. Doch besonders beim ersten Kampf sieht man den Gegner die meiste Zeit gar nicht.
Darauf kommt es vielleicht nicht an, aber es mindert jedenfalls die Lust aufs Kämpfen und überhaupt Spielen. Für manche Leute wäre dieses Spiel deshalb eine Katastrophe, denn selbst ich rege mich darüber schon auf, auch wenn man sich daran gewöhnen kann. Wichtig ist eben, dass man immer viel ausweicht, hinter den Gegner kommt und nur dann zuschlägt, wenn man weiß, dass man es zwei, drei Mal auf einmal versuchen kann.
Ansonsten ist die Handlung wirklich der wichtigste Punkt in diesem Spiel, warum man es sich vielleicht doch zulegen sollte.